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Ein Samstag unter Spannung: Über 100 Telegrafenmasten für die Eisenbahnfreunde

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Man nehme ein paar Holzstäbe, eine Handvoll Isolatoren, etwas Farbe, reichlich Werkzeug und eine Gruppe gut gelaunter Modellbahner. Heraus kommt ein ebenso unterhaltsamer wie produktiver Basteltag und eine beachtliche Menge Telegrafenmasten.

Die alten Telegrafenleitungen entlang der Eisenbahnstrecken sind längst weitgehend verschwunden. Was früher zum vertrauten Bild der Eisenbahn gehörte, ist heute nur noch selten zu entdecken. Auf unseren Spur-0-Modulen dürfen die charakteristischen Holzmasten mit ihren Traversen und Isolatoren dagegen gerne wieder Einzug halten. Und weil sich gemeinsam bekanntlich manches leichter erledigen lässt, wurde aus der Anregung eines Vereinsmitglieds kurzerhand ein ganztägiger Workshop der Eisenbahnfreunde Kölln-Reisiek.

An einem Samstag verwandelte sich unser temporäres Vereinsdomizil in eine kleine Telegrafenmasten-Manufaktur. Jeder der elf Teilnehmer brachte mit, was er hatte und was gebraucht wurde. Vier Millimeter starke Holzstäbe bildeten die Grundlage für die Masten, dazu kamen gekaufte Isolatoren samt Halterungen, Farben, Pinsel, Kleber und Holzbeize. Auch beim Maschinenpark wurde nicht gekleckert: Tischkreissäge, Bandschleifer und Standbohrmaschine standen ebenso bereit wie allerlei kleinere Hilfsmittel. Es wurde gesägt, geschliffen, gebohrt, gebeizt, bemalt und geklebt. Und zwischendurch natürlich reichlich gefachsimpelt.

Besonders erfreulich war die Mischung aus traditionellem Modellbau und moderner Technik. Ein Vereinsmitglied hatte sich im Vorfeld intensiv mit den Vorbildern beschäftigt und passende Traversen samt Befestigungen am Computer konstruiert. Ein anderes Mitglied startete die Serienproduktion. Die im 3D-Druck entstandenen Bauteile boten Platz für vier oder acht Isolatoren. Selbst an die etwas aufwendigeren Doppeltraversen für Endmasten war gedacht, an denen die Freileitungen enden und in den Boden geführt werden. So entstanden nicht einfach irgendwelche Holzstangen mit ein paar weißen Pünktchen daran, sondern durchaus anspruchsvolle Nachbildungen historischer Eisenbahntechnik.

Dabei zeigte sich einmal mehr, wie gut ein gemeinsamer Basteltag funktionieren kann. Der eine hatte das passende Werkzeug oder Material, der andere eine besonders geschickte Hand, der nächste wusste einen praktischen Kniff. Wo etwas nicht gleich funktionierte, wurde gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Und weil Modellbahner bekanntlich über erstaunlich viele Details diskutieren können, kam auch die Unterhaltung nicht zu kurz.

Das Ergebnis kann sich jedenfalls sehen lassen: Deutlich mehr als 100 Telegrafenmasten unterschiedlichster Bauart waren am Ende des Tages fertiggestellt. Vom einfachen Streckenmast bis zu aufwendigeren Ausführungen mit mehreren Traversen war alles vertreten. Ein Teil der Produktion wird künftig unsere Vereinsmodule bereichern, andere Masten treten ihren Dienst auf den privaten Anlagen der Teilnehmer an.

Mindestens ebenso wichtig wie die stattliche Ausbeute war aber die Erkenntnis, dass gemeinsames Basteln einfach Spaß macht. Statt allein am heimischen Werktisch zu sitzen, konnte man Erfahrungen austauschen, voneinander lernen und ganz nebenbei einen schönen Samstag miteinander verbringen. Eine Wiederholung solcher Workshops dürfte deshalb nicht lange auf sich warten lassen.

Wer nun selbst Lust bekommen hat, seine Eisenbahnstrecke mit Telegrafenmasten auszustatten, darf sich freuen: Im nächsten Spur Null Magazin erscheint ein ausführlicher Beitrag über den Eigenbau solcher Masten, mit zahlreichen Tipps, Anregungen und praktischen Hinweisen.

Bis dahin steht fest: Bei den Eisenbahnfreunden Kölln-Reisiek sind die alten Telegrafenleitungen zwar noch nicht wieder in Betrieb, aber die ersten hundert Masten stehen schon einmal bereit.

Stefan Karzauninkat

Fotos: Christian, Hajo, Stefan K


Wer Spaß am Workshop hat kann sich auch einen Bericht von unserem Fahrzeug-Alterungs-Workshop ansehen.

Workshop-Fahrzeugalterung